PP
Allgemeine Bezeichnung
Name: Polypropylen (PP)
Polypropylen ist ein technischer Kunststoff, der im 3D-Druck deutlich weniger verbreitet ist als PLA oder PETG, dafür aber besondere mechanische und chemische Eigenschaften bietet.
Herkunft & Nachhaltigkeit
PP ist ein erdölbasierter Thermoplast, der in großen Mengen in der Industrie eingesetzt wird (z. B. Verpackungen, Scharniere, Behälter).
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Nicht biologisch abbaubar
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Sehr gut recycelbar (Kunststoffkennzeichnung „5 – PP“)
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Lange Lebensdauer, hohe Beständigkeit
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Umweltbelastung hauptsächlich durch fossile Rohstoffe
Fazit zur Umwelt:
PP ist kein nachhaltiger Kunststoff im klassischen Sinn, überzeugt jedoch durch hohe Haltbarkeit und gute Recyclingfähigkeit.
Druckeigenschaften
Der 3D-Druck mit PP gilt als anspruchsvoll, vor allem wegen der starken Schrumpfung beim Abkühlen.
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Starke Neigung zu Warping und Ablösen vom Druckbett
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Haftet schlecht auf Standard-Druckoberflächen
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Beheiztes Druckbett zwingend erforderlich
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Idealerweise geschlossener Bauraum (Gehäuse)
Typische Herausforderungen:
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Schrumpfung
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Verzug
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Delamination bei ungünstigen Einstellungen
Für zuverlässige Ergebnisse werden oft spezielle PP-Druckplatten oder Haftfolien verwendet.
Mechanische Eigenschaften
PP unterscheidet sich deutlich von PLA und PETG.
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Zäh und flexibel, nicht spröde
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Sehr gute Schlagzähigkeit
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Hohe Ermüdungsfestigkeit (ideal für „Living Hinges“)
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Geringe Steifigkeit im Vergleich zu PLA
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Sehr geringes Gewicht
PP-Bauteile lassen sich biegen, ohne zu brechen – ein großer Vorteil für funktionale Teile.
Chemische Beständigkeit
Ein großer Vorteil von PP ist seine exzellente Chemikalienresistenz.
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Beständig gegen Säuren, Laugen und viele Lösungsmittel
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Wasserabweisend
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Keine Korrosion
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Sehr geringe Feuchtigkeitsaufnahme
Deshalb wird PP häufig in Labor-, Medizin- und Lebensmittelanwendungen eingesetzt.
Thermische Eigenschaften & Richtwerte
PP ist deutlich temperaturbeständiger als PLA.
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Drucktemperatur: ca. 220–250 °C
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Heizbett: 80–110 °C
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Wärmeformbeständigkeit: ca. 100–110 °C
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Gute Temperaturstabilität im Alltag
PP bleibt auch bei höheren Temperaturen formstabil, was es für funktionale Bauteile interessant macht.
Optik & Oberflächenqualität
PP ist funktional, aber optisch eingeschränkt.
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Meist halbtransparent oder milchig
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Weniger scharfe Details als PLA
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Geringere Oberflächenhärte
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Wenige Farbvarianten
Der Fokus liegt klar auf Funktion statt Design.
Gesundheitliche Aspekte & Sicherheit
Emissionen beim Drucken
Beim PP-Druck entstehen – wie bei allen Thermoplasten – ultrafeine Partikel (UFPs) und VOCs.
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Emissionen moderat, meist geringer Geruch
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Keine stark reizenden Dämpfe bekannt
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Additive und Farbstoffe können Emissionen beeinflussen
Empfehlungen:
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Gute Raumlüftung
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Geschlossener Druckraum mit Filter bei Dauerbetrieb
Hautkontakt & Anwendungssicherheit
PP gilt als sehr hautverträglich.
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Weit verbreitet in Lebensmittel- und Medizinprodukten
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Kurz- und langfristiger Hautkontakt meist unproblematisch
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Gedruckte Teile dennoch nicht automatisch lebensmittelzertifiziert
Wichtig:
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3D-Druck-Oberflächen sind mikroporös
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Hygienisch kritische Anwendungen erfordern Nachbearbeitung oder Beschichtung
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Nur zertifiziertes Filament für sensible Anwendungen verwenden
Typische Einsatzbereiche
Geeignet für:
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Funktionale Bauteile
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Scharniere und Clips
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Chemikalienbehälter
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Technische Gehäuse
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Bauteile mit Dauerbelastung
Weniger geeignet für:
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Deko- und Designobjekte
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Schnelle Prototypen
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Einsteigerprojekte
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Drucker ohne Heizbett oder Gehäuse
Zusammenfassung / Fazit
Polypropylen ist ein hochfunktionaler, aber anspruchsvoller 3D-Druck-Kunststoff.
Es überzeugt durch Zähigkeit, chemische Beständigkeit und Temperaturfestigkeit, erfordert jedoch Erfahrung und geeignete Druckbedingungen.
Kurz gesagt:
PP ist ideal für technische und belastete Bauteile – aber kein Material für Anfänger oder reine Optik.